Kann ein Praktikum im Ausland ein Abenteuer sein?
Samuel Bischofberger erzählt über seiner Erfahrung mit dem europäischen Programm Leonardo da Vinci
Als ich im Sommer 2007 meine Ausbildung zum Fremdsprachensekretär abgeschlossen hatte, wurde ich in der Friedrich-List-Schule auf einen Flyer der Gesellschaft für Europabildung (GEB) aufmerksam. Dieser Flyer warb für ein Auslandspraktikum, welches man in verschiedenen Ländern, darunter unter anderem England, Spanien, Polen und Litauen absolvieren konnte.
Von einem Auslandspraktikum war ich spontan begeistert und schrieb sofort eine Bewerbung an einen Lehrer meiner Schule, der es an die GEB weiterleitete. Von einem Praktikum im Ausland versprach ich mir interessante Einblicke in das Berufsleben. Außerdem bekommt man ja nicht alle Tage die Chance im Ausland zu arbeiten. In unserer immer mehr globalisierten Welt, ist es in meinen Augen, immer wichtiger Auslandserfahrungen zu haben.
Wenige Wochen später fand ich mich in einem Flugzeug auf seinem Weg nach Litauen wieder. Wie man mir bei der GEB mitteilte bin ich sozusagen ein Pilotprojekt, da ich der erste Praktikant bin, der nach Litauen wollte. Dementsprechend war ich auch aufgeregt und alles war für alle Parteien neu. In Vilnius wurde ich schon von meiner Betreuerin Jolita erwartet. Sie begrüsste mich sehr freundlich und fuhr mich mit dem Pkw nach Kaunas, wo sie mir, nachdem ich mein Gepäck auf mein Zimmer gebracht hatte, die fürs erste wichtigsten Gebäude (Supermarkt, Bank, etc.) zeigte.
Das Studentenwohnheim in dem ich wohne ist komfortabel ausgestattet. In jedem Zimmer befinden sich 2 Betten, Fernseher, Tisch mit Stühlen und ein Schrank. Außerdem gibt es auf jedem Zimmer ein Bad mit Dusche und in jeder Etage eine Gemeinschaftsküche. Wegen der zwei Betten kann es passieren, dass man hin und wieder einen Mitbewohner hat. Das kann ärgerlich sein, wenn es ein unangenehmer Zeitgenosse ist, aber auch sehr interessant und unterhaltsam wie in den meisten Fällen.
„Ein Praktikum im Ostblock?!“
Meine Aufgaben im Praktikum sind vielfältig, so mischen sich Telefonate mit, Übersetzungsaufgaben und Online-Recherchen. Andere Aufgaben sind Flugbuchungen, Installation von Elektronik oder erstellen einer Homepage. In meinem ersten Praktikumsbetrieb war meine Situation nicht ideal, weswegen ich wechstelte, dies ging aber schnell und unproblematisch.
Viele Leute waren skeptisch, als sie hörten, dass ich mein Praktikum ausgerechnet in Litauen machen wollte. “Litauen? Das ist doch Ostblock!” Und es war Anfangs auch nicht unbedingt leicht, sich in diesem, für mich sehr fremden Land zurechtzufinden. Bis 1990 war Litauen noch von Russland besetzt weswegen hier vieles nicht so komfortabel wie im westlicheren Europa ist. Aber nicht erst seit dem EU-Beitritt des kleinen baltischen Staates 2005 tut sich eine Menge, überall wird fleißig gebaut, ausgebessert und erneuert. Der Lebenstandard allerdings, ist hier immer noch nicht so weit entwickelt und auch der Durchschnittslohn von ca. 350 Euro ist noch sehr niedrig. Aber das Wirtschaftswachstum von 6-7 % im Jahr und die niedrige Arbeitslosenquote von 3,9 % sprechen für Litauen als Wirtschaftsstandort.
Ein Problem stellte diese andere Situation für mich sowieso nicht dar, ich hatte nichts anderes erwartet. Bisher habe ich meine Entscheidung nach Litauen zu gehen nicht bereut, die Menschen sind hier sehr freundlich und aufgeschlossen gegenüber Fremden. Wenn man auf der Straße einen Litauer um Hilfe bittet, sind diese sehr gerne bereit einem die nötige Hilfestellung zu gewähren. Vereinzelt wird man sogar persönlich zu dem Ort geführt den man sucht. Des Weiteren hat Litauen auch eine ganze Palette von interessanten Orten zu bieten. Einige, wie die Kurische Nehrung und die Altstadt von Vilnius, stehen sogar auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Aber auch Kaunas hat viel zu bieten, so befindet sich mit der Laisves Aleja die längste Einkaufsstraße des Baltikums in Kaunas und auch die Altstadt ist sehenswert. Kulturell ist Kaunas stark vertreten, nennenswert sind z. B. das Ciurlionis-Museum, dass dem großem Komponisten und Künzler Litauens gewidmet ist oder das eher skurille aber einziges Teufelsmuseum der Welt.
Wichtige Erfahrung
Ich denke ein Auslandspraktikum ist eine sehr wichtige Erfahrung, die man im Leben machen kann. Man lernt eine Menge neuer interessanter Menschen kennen, ist zum ersten Mal im Leben richtig auf sich allein gestellt, lernt eine neue Sprache und wächst geistig und menschlich an seinen Aufgaben im Ausland.
Das Programm ist noch sehr jung. Und so ist es vielleicht verzeihlich wenn an der einen oder anderen Stelle noch nicht alles rund lief, so war z. B. nicht ganz klar wer nun für das versprochene “kulturelle Programm” zuständig ist und was es beinhaltet. Alles in allem bin ich aber rundum zufrieden.
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